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INTERVIEW MIT ASTRID KORF-WOLMAN

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Persönliches:

Sie widmen sich der Aufgabe, das Erbe Ihres Vaters zu bewahren.

Warum?

Was treibt Sie an?

Die Welt des Stahls liegt mir im Blut und war auch Teil meiner Inspiration, Architektur und Ingenieurwesen zu studieren. Nach dem erfolgreichen Verkauf der Firma ist mir meine Leidenschaft für die Branche geblieben. Deshalb liegt es mir sehr am Herzen, das Erbe meines Vaters für zukünftige Generationen zu bewahren.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie an ihn denken?

Seine unermüdliche positive Energie und seine Lebensfreude.

Was haben Sie von ihm gelernt? Gibt es einen Leitsatz?

Nie aufgeben, kein Hindernis ist zu groß, es gibt immer einen Ausweg! Sich nicht von Menschen beeindrucken zu lassen, im Sinne, sich neben niemandem minderwertig zu fühlen. Jeder hat das gleiche Recht, für sich zu sprechen, egal ob sich jemand in einer hohen Führungsposition befindet oder ein Arbeiter in der Fabrik ist oder ein Bettler auf der Straße. Man muss immer zu sich selbst stehen. Mein Vater hat nie die Herkunft eines Menschen beurteilt. Für ihn waren der Mensch und seine Werte wichtig. Das hat meine Erziehung sehr geprägt und mir großes Selbstbewusstsein gegeben.

Wie war er als Vater?

Obwohl mein Vater sehr viel auf Geschäftsreisen war, war Familienleben sein ein und alles. Wirklich beeinflusst hat er mich allerdings erst ab dem Teenager-Alter, als wir uns auf Augenhöhe austauschen konnten. Wir hatten ein sehr freundschaftliches, respektvolles Verhältnis. Ich konnte mit ihm alles besprechen, und er mit mir. Als er starb, habe ich nicht nur meinen Vater, sondern auch einen guten Freund verloren, mit dem ich Pferde stehlen konnte.

Was können nachfolgende Generationen von Ihrem Vater lernen? Menschlich gesehen, aber auch als Unternehmer?

Es ist wichtig, mit seinen Mitarbeitern persönlichen Kontakt zu pflegen. Bei meinem Vater ging es so weit, dass er selbst das ein oder andere Geburtstagsgeschenk für sie ausgesucht hat. Er nahm sich auch Zeit, regelmäßig mit den Werkarbeitern zu sprechen. Kürzlich habe ich die Hamburger Stahlwerke besucht. Ein Arbeiter, der meinen Vater noch kannte, sagte mir, dass mein Vater mindestens zwei Mal im Jahr in das Werk kam und sich die Zeit nahm, mit allen Arbeitern persönlich zu sprechen. So fühlt jeder Mitarbeiter eine spezielle Verbindung zum Boss und entwickelt eine Loyalität auf persönlicher Ebene.

Als Unternehmer ist es wichtig, eine starke Haltung einzunehmen und dazu zu stehen. Man muss an seine Visionen glauben, danach handeln und nach vorne schauen.

Wie würden Sie ihren Vater beschreiben?

Ein unverbesserlicher Optimist, das Glas war für meinen Vater immer halb voll. Er hat immer nach vorne geschaut und kein Hindernis war ihm zu groß. Er war charmant und voller Humor und liebte es mit Menschen zusammen zu sein. Er zeichnete sich durch Fleiß, Selbstbehauptung, Begeisterung, Klarheit und Direktheit aus. Seine Antriebe waren Lebensfreude, Energie und Neugier.

Wäre Sein Erfolg/ sein Handeln auch heute noch in dieser Form denkbar?

Er ist ein Beispiel für einen charismatischen Nachkriegsindustriellen erster Generation in Deutschland, zu vergleichen mit Agnelli oder Olivetti in Italien. Heute findet man auf jeden Fall Führungskräfte mit ähnlichen Eigenschaften, wie zum Beispiel Elon Musk.

Zur Stahlindustrie:

Nachhaltiges Wirtschaften ist heute das A und O: Wie passen die Stahlindustrie und drei Dimensionen der Nachhaltigkeit ‒ Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft zusammen?

Stahl ist eine Schlüsselkomponente der Weltwirtschaft. Stahl ist das Fundament einer modernen Gesellschaft. Stahl ist im täglichen Leben zu finden, von Autos über Haushaltsprodukte wie Waschmaschinen bis hin zu Betonwänden.

Die Frage ist nicht, wie wir ihn ersetzen können, sondern vielmehr die Notwendigkeit, neue Technologien zu finden, die Effizienz und Umweltfreundlichkeit seiner Produktion verbessern. Heute entstehen neue Unternehmen, die Nachhaltigkeit in den Vordergrund stellen, wie zum Beispiel H2 Green Steel oder Big River Steel in den USA. Natürlich muss man auch beachten, dass die Stahlindustrie Millionen von Arbeitsplätzen sichert. Es ist für traditionellen Unternehmen nicht immer einfach, die notwendigen Entscheidungen zu treffen, um grün und kostengünstig zu produzieren.

Wie muss sich die Stahlindustrie vor diesem Hintergrund aufstellen?

Die Stahlbranche muss sich auf neue Technologien konzentrieren. Innovation stand für meinen Vater immer an erster Stelle. Das beinhaltet auch das Auslaufen der traditionellen Hochofenproduktion und der Übergang zur elektrischen Stahlherstellung, die die Verwendung von recyceltem Stahl sowie erneuerbarer Energien ermöglicht.

Regierungen müssen die Bedeutung der Branche weiterhin anerkennen und gleichzeitig mit den Unternehmern zusammenarbeiten und Anreize für eine nachhaltige Produktion schaffen. Das war schon im Energiesektor erfolgreich.

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